PHILIP ROSENTHAL

Im II. Weltkrieg war er Fremdenlegionär und führte ein Doppelleben unter falschem Namen und mit gefälschten Papieren - Philip Rosenthals Buch über die Erfahrungen in dieser Zeit ist vielleicht die spannendste Autobiographie, die je ein Unternehmer geschrieben hat. Geleitet von seiner Idee, mit Kunst zu leben, macht Philip Rosenthal aus der Porzellanfabrik seines Vaters ein weltweit führendes Unternehmen für gehobene Tisch- und Wohnkultur. Am 23. Oktober 1916 wird Philip Rosenthal in Berlin geboren.

.

PHILIP ROSENTHAL

Im II. Weltkrieg war er Fremdenlegionär und führte ein Doppelleben unter falschem Namen und mit gefälschten Papieren - Philip Rosenthals Buch über die Erfahrungen in dieser Zeit ist vielleicht die spannendste Autobiographie, die je ein Unternehmer geschrieben hat. Geleitet von seiner Idee, mit Kunst zu leben, macht Philip Rosenthal aus der Porzellanfabrik seines Vaters ein weltweit führendes Unternehmen für gehobene Tisch- und Wohnkultur. Am 23. Oktober 1916 wird Philip Rosenthal in Berlin geboren.

.

Einmal Legionär

Philip Rosenthal © Rosenthal GmbH

Einmal Legionär
Drei Ausbruchversuche scheiterten. Das brachte Strafarbeit in den Steinbrüchen und tagelanges Eingesperrtsein in lichtlosen Gefängniszellen. Schließlich gelingt ihm 1942 die Flucht über Gibraltar nach England. Er habe sich durch den Nimbus der Fremdenlegion locken lassen, sagt Philip Rosenthal später, um zu entdecken, dass ihre abenteuerliche Geste die pure Narrheit war. Und doch hat er seinen Entschluss, in die Legion einzutreten, nie bereut: Hier, sagt er, habe er die entscheidenden Erfahrungen seines Lebens gemacht: „Wenn man die Welt von unten gesehen hat, mit spanischen Landarbeitern, Arabern und schwarzen Analphabeten die Zementbank im Gefängnis und die Arbeit im Steinbruch geteilt hat, dann kann man, außer man hat alles vergessen, nur Reformer sein”. In seiner Legionärszeit lernt Philip Rosenthal eine Fülle von Lebensweisheiten, die seinen späteren Lebensweg als Unternehmer erntscheidend prägen werden. Etwa diese: „Entbehrung und Härte sind Vorbedingungen des wirklichen Genießens”. Oder: „Es kann einem jungen Menschen nichts Besseres geschehen, als ein bis zwei Jahre ohne jedes Privileg das Leben kennen zu lernen”.

Gründerjahre: Philipp Rosenthal
Der unternehmerische Durchbruch gelingt Philipp Rosenthal senior (mit zwei „p”) mit einem Aschenbecher mit der Aufschrift „Ruheplätzchen für brennende Cigarren”, der sich gut verkauft - und einem Griff in die Trickkiste auf der Leipziger Messe. Da die Kunden nur spärlich kommen, hängt er kurzerhand ein Schild an seinen Stand: „Wegen Überfülle der Ordres können keine weiteren Aufträge entgegen genommen werden”. Philippe Rosenthal hat Glück: Mit einem Amerikaner, der ein gutes Geschäft wittert, kann er einen ansehnlichen Lieferauftrag abschließen.

Philipp Rosenthal gründet 1879 die Porzellanfabrik „Philipp Rosenthal & Co.” auf Schloß Erkersreuth in der Nähe des oberfränkischen Selb. Ursprung des Unternehmens war die Dekoration zugekaufter Weißware. Nach ersten wirtschaftlichen Erfolgen baut Philipp Rosenthal 1891 einen so genannten Weißbetrieb und kann so selbst Porzellan herstellen. 1929 beschäftigt das Unternehmen rund 7000 Mitarbeiter und verfügt über zahlreiche Produktionsbetriebe - die Marke „Rosenthal” ist weltberühnt. Doch mit dem „Dritten Reich” erfolgt eine Zäsur: Der deutsche Unternehmer Rosenthal wird der Jude Rosenthal. Er muss 1934 aus dem Unternehmen ausscheiden. Geheimrat Philipp Rosenthal stirbt 1937 im Alter von 82 Jahren.

Geheimrat Philipp Rosenthal © Rosenthal GmbH

Die Nachkriegszeit: Neuanfang unter Philip Rosenthal. Mehr auf der nächsten Seite.

Vorreiter in Design

Vorreiter in Design
1950 tritt Philip Rosenthal in die Fima seines Vaters ein. Er arbeitet zunächst als Werbeleiter, später übernimmt er die Leitung der Produktgestaltung. Einfallsreich, mit unkonventionellen Ideen und einem Gespür für die Produkte stellt er die Besonderheit der Marke Rosenthal heraus. So setzt er etwa Mitte der 1950er Jahre in der Kampagne „Frauen, mit denen man spricht” Rosenthal-Geschirr mit seiner Mutter und prominenten Schauspielerinnen künstlerisch in Szene.

 

Philip Rosenthal mit dem Star-Designer Raymond Loewy © Rosenthal GmbH; Loewy gilt als einer der Begründer des Berufs des Industriedesigners, zu seinem Werk gehört die berühmte Neugestaltung der Lucky Strike Zigarettenpackung

1961 wird die Rosenthal Studio-Line gegründet. Auf der Hannover-Messe erläutert Philip Rosenthal das Konzept: „Rosenthal will mit der Studio-Line ‚Verleger des Guten’ sein, gleich aus welcher künstlerischen Richtung es kommt, solange es gekonnt und aus unserer Zeit empfunden ist”. Weit über 150 Künstler, Designer und Architekten, darunter so große Namen wie Raymond Loewy, Walter Gropius oder Tapio Wirkkala und viele andere, haben bis heute einzigartige Kollektionen für Rosenthal entworfen und damit den Ruf des Unternehmens als „Vorreiter im Design” gefestigt.

Ende der 1960er Jahre lädt Philip Rosenthal zeitgenössische Künstler ein, „Kunst in Porzellan” zu entwerfen. Kein geringerer als Arnold Bode, der Vater der documenta in Kassel, hatte zu dieser Idee angeregt. Porzellan, erklärt Bode, sei der perfekte Werkstoff für plastische Kunst - er ist kostbar und sinnlich-haptisch reizvoll. Ein weiterer wichtiger Punkt für Bode: Das große Interesse Philip Rosenthals an der Zusammenarbeit mit guten Künstlern, um der Porzellan-Skulptur zu einer Renaissance zu verhelfen. 1968 wird die erste Edition der „Rosenthal Relief Reihe” auf der dritten documenta präsentiert mit Werken u.a. von Henry Moore und Victor Vasarely. 

Walter Gropius und Philip Rosenthal © Rosenthal GmbH; der Architekt Walter Gropius (1883-1969) ist der Gründer des Bauhaus und gilt neben Ludwig Mies van der Rohe und Le Corbusier als Mitbegründer der modernen Architektur  

„Pioniere einer Idee” - die Rosenthal Studio-Häuser. Mehr auf der nächsten Seite.

Pioniere einer Idee

Pioniere einer Idee: Rosenthal Studio-Häuser
Um die neuen Produkte in einem entsprechenden Umfeld zu präsentieren, geht Philip Rosenthal in den 1950er Jahren dazu über, im Fachhandel exklusive Verkaufsabteilungen einzurichten. 1960 wird in Nürnberg das erste Studio-Haus eröffnet. Verkauft wird nur, was eine unabhängige Jury als originales und gutes zeitgenössisches Design bewertet. Von Anfang an führen die Häuser auch Produkte von anderen Anbietern, die diesem Standard entsprechen. „So entstand eine Allianz des Guten und Originalen unserer Zeit. Die Studio-Häuser sind eben nicht nur Verkaufsgeschäfte, sondern auch Pioniere einer Idee”, erklärt Philip Rosenthal.

Rosenthal Studio Haus Mannheim (Planken 20-22) Studio Haus Berlin © Rosenthal GmbH

Philip Rosenthal wird am 23. Oktober 1916 in Berlin geboren. Einen Tag vor der Machtergreifung Hitlers schickt ihn sein Vater Geheimrat Philipp Rosenthal nach England - „damit er eine Weile zur Schule gehe”. 1938 schließt Philip Rosenthal in Oxford das Studium der Philosophie und der Volkswirtschaftslehre mit dem Master of Art ab.

Als Philip nach dem Studium seine Mutter in Frankreich besucht, bricht der II.Weltkrieg aus. Um gegen die Nationalsozialisten zu kämpfen, tritt Philip in die französische Fremdenlegion ein. 1942 gelingt ihm die Flucht nach England. Er arbeitet u.a. im Foreign Office und verfasst für den Soldatensender Calais Texte an die deutschen Truppen.

1950 tritt Philip Rosenthal in das väterliche Porzellan-Ubnternehmen Rosenthal AG ein. Als einer der ersten deutschen Unternehmer führt Philip Rosenthal 1963 ein Beteiligungssystem für Arbeitnehmer ein, 1968 gründet er die Grenzland-Stiftung zur Ausbildung von Arbeitnehmerkindern für Managementaufgaben.

1969 tritt Philip Rosenthal in die SPD ein und wird im gleichen Jahr in den Bundestag gewählt. Philip Rosenthal war Vorsitzender des Bauhaus-Archivs in Berlin, 1988 wurde er zum Professor für Design an die Bremer Hochschule für Künste berufen.
Philip Rosenthal stirbt im September 2001 in Berlin.

Aktuelle Informationen zur Rosenthal AG finden Sie im Internet unter www.rosenthal.de

Literatur:
Die Rosenthal-Story, Econ-Verlag 1980 • Einmal Legionär, Knaus Albrecht 1990

SHier wie müssen an ​​anderer Stelle ​​definiert werden und viagra 50mg ist auch eine ​​beliebte Option, aber viagra 25mg hat die niedrigsten Kosten und damit ​​populärer alle anderen.