PLAYMOBIL

Im Zirkuszelt begeistert eine Show mit bunt geschmückten Elefanten die Zuschauer, heldenhaft erwehren sich die Burgbewohner dem Ansturm der Raubritter, ein Spion fotografiert mit seiner Kamera den Bauplan einer Geheimwaffe - bereit für jedes Spiel bevölkern weit über zwei Milliarden Playmobil-Figuren die Kinderzimmer der Welt. Die Geburtsstunde der sympathischen Spielfiguren schlägt im Februar 1974 auf der Spielwarenmesse in Nürnberg • Ausstellung im Historischen Museum der Pfalz Speyer (2014): 40 Jahre Playmobil

PLAYMOBIL

Im Zirkuszelt begeistert eine Show mit bunt geschmückten Elefanten die Zuschauer, heldenhaft erwehren sich die Burgbewohner dem Ansturm der Raubritter, ein Spion fotografiert mit seiner Kamera den Bauplan einer Geheimwaffe - bereit für jedes Spiel bevölkern weit über zwei Milliarden Playmobil-Figuren die Kinderzimmer der Welt. Die Geburtsstunde der sympathischen Spielfiguren schlägt im Februar 1974 auf der Spielwarenmesse in Nürnberg • Ausstellung im Historischen Museum der Pfalz Speyer (2014): 40 Jahre Playmobil

Ein cleverer Firmenchef


Foto: Playmobil / geobra Brandstätter

Ein Großeinkäufer glaubt an die Figuren
Hermann Simon lehnt sich zurück. Mit einem Lächeln erinnert er sich an die kleinen Männchen, die er am Stand von geobra Brandstätter gerade in Aktion gesehen hat - geschäftige Bauarbeiter mit ihren Sicherheitshelmen und den Spitzhacken in ihren Greifhänden, daneben Schubkarren und Handwalzen und sogar eine nur noch bis zur Hälfe gefüllte Bierkiste. Eben noch hatte Hans Beck, der Mustermacher der Firma und Erfinder der Figuren, ihm noch einmal die Spielidee erläutert: „Im Mittelpunkt von Playmobil stehen die Spielfiguren, mit denen die Kinder in kompletten Spielzügen die Welt im Kleinen nachbauen und nachspielen können” - doch, das war wirklich etwas vollkommen Neues, das den Kindern gefallen würde. Simon konzentriert sich auf seine innere Stimme, dann steht er auf und mit einem guten Gefühl geht er zurück zum Stand der Firma aus dem fränkischen Zirndorf, um den Auftrag perfekt zu machen.

 1974: Playmobil-Figuren der ersten Stunde, Bild links ein Bauarbeiter © Playmobil / geobra Brandstätter

Mit einem Großauftrag am vorletzten Messetag der Nürnberger Spielwarenmesse 1974 rettet Hermann Simon aus den Niederlanden, zu jener Zeit der größte Spielwarenhändler Europas, die Playmobilfiguren, die bei den anderen Einkäufern nur auf geringes Interesse stoßen, vor dem vorzeitigen Aus. Dem Unternehmenschef Horst Brandstätter fällt ein Stein vom Herzen, sofort lässt er die Nachricht streuen, ein Großunternehmen wolle sich das Alleinverkaufsrecht sichern. Sein Trick ist erfolgreich, denn niemand möchte einen Trend verpassen - doch die Firma hat jetzt ein Problem: Die Produktion ist für die vielen Bestellungen, die jetzt eingehen, gar nicht gerüstet.

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Entschuldigungsbriefe und das Glück eines Erfinders. Mehr auf der nächsten Seite.

Entschuldigungsbriefe

Entschuldigungsbriefe an die Spielwarenhändler
Von Anfang an setzt Unternehmenschef Horst Brandstätter auf Werbung. Fernsehspots zeigen die freundlichen Playmobilmännchen in Aktion, große Anzeigen-Kampagnen werden in Zeitschriften und einschlägigen Kinder- und Jugendheftchen wie Mickey Mouse und Fix und Foxi geschaltet. Begeisterte Kinder, aber auch Eltern und Großeltern, Tanten und Onkels und überhaupt alle, die nach einem schönen und zugleich sinnvollen Geschenk suchen, stürmen die Spielzeuggeschäfte - und müssen erfahren, dass die Ritterburg oder das Piratenschiff, das Bauhandwerker-Set oder die Tiernummer im Zirkus leider ausverkauft sind. Oder erst gar nicht geliefert wurden: Speziell zu Weihnachten oder wenn neue Playmobil-Spielwelten erscheinen, übersteigen die eingehenden Aufträge die Produktionskapazität der Firma und die Händler bekommen fast immer weniger, als sie bestellen.

Horst Brandstätter (links) und Playmobil-Erfinder Hans Beck, vor ihnen die Bauarbeiter-Spielwelt mit Zubehör © Playmobil/geobra Brandstätter

Während die Produktion rund um die Uhr arbeitet, bemüht sich die Verwaltung um Schadensbegrenzung und bittet in kunstreich formulierten Entschuldigungsbriefen um Verständnis für die aktuellen Lieferschwierigkeiten: „Lieber Kunde, die Nachfrage nach Playmobil-Produkten übertrifft alle üblichen Maßstäbe. Augenblicklich sehen wir uns außerstande, alle ihre Wünsche zu erfüllen” - als kleinen Trost für die Kinder schickt geobra, was noch auf Lager ist. 

In der Hoffnung, zumindest die Hälfte ihrer Bestellung zu bekommen, bestellen viele Händler vorsorglich doppelten Bedarf.

Man hat nicht umsonst gelebt
„Ich wollte etwas machen, das interessanter und vielseitiger anwendbar ist”, erklärt Hans Beck, „Spielfiguren, die so einfach wie möglich sind, damit die Kinder ihrer Fantasie freien Lauf lassen können”.

Zu Beginn der 1970er Jahre kämpft geobra Brandstätter mit den Folgen der Ölkrise. Arabische Staaten setzen die Ölwaffe als Druckmittel gegen Israel ein, innerhalb kürzester Zeit steigen die Rohöl- und damit auch die Preise für Kunststoff um ein Vielfaches. Unternehmenschef Horst Brandstätter muss reagieren und stellt sein gesamte Produktangebot auf den Prüfstand. Sein Mustermacher Hans Beck erhält den Auftrag, ein Spielzeug zu entwickeln, das weniger Kunststoff verbraucht. Brandstätter denkt an ein Spielfahrzeug für Kinder in der Art der gängigen Holzspielzeuge - schön wäre „mit einem Männle darin”.

Die eher beiläufig geäußerte Idee eines Männchens in den Fahrzeugen geht Hans Beck nicht mehr aus dem Kopf. Wenige Wochen später präsentiert er dem Chef sieben handgefertigte Spielfiguren mit beweglichen Armen und Beinen, Greifhänden und einem sympathischen Punkt-Punkt-Strich-Gesicht, das vom alten Logo der Firma inspiriert ist. Trotz anfänglicher Skepsis gibt der Chef sein OK zum Weitermachen, und wann immer Hans Beck Zeit hat, arbeitet er weiter an den Figuren. Testkinder von Nachbarn und Verwandten spielen eifrig mit den ersten Figuren - und verlangen nach mehr

 Altes Logo von geobra Brandstätter; Bild rechts: Skizzenblatt von Hans Beck; gut zu erkennen die charakteristische Zackenfrisur. Fotos: © Playmobil / geobra Brandstätter

Hans Beck wird im Mai 1929 in Thüringen geboren. „Als ich etwa zehn Jahre alst war, begann ich für mich und meine Geschwister Spielzeuge zu basteln, kleine Autos, Puppen und Puppenhäuser mit Möbeln”, erinnert er sich. Nach dem Krieg flieht Hans Beck 1948 aus dem sowjetisch besetzten Thüringen nach Bayern. Zu geobra Brandstätter kommt der gelernte Möbeltischler eher zufällig: 1958 sucht Horst Brandstätter einen Mustermacher für die Entwicklung neuer Produkte. Aus einer Reihe von Bewerbern entscheidet sich der Firmenchef für Hans Beck - ein wichtiges Auswahlkriterium war Becks intensiv betriebenes Hobby Modellflugzeugbau. 


Hans Beck mit seiner Lieblingsfigur, dem dickbäuchigen Piraten; © Playmobil / geobra Brandstätter

„Das Gefühl, dass alle Kinder damit spielen, ist immer noch umwerfend”, gesteht Hans Beck, als er 1998 nach vierzig Jahren Betriebszugehörigkeit in den Ruhestand geht. Die zahlreichen Dankesbriefe kleiner und großer Playmobilfans zum Abschied geben ihm die Gewissheit: „Man hat nicht umsonst gelebt”. Am 30. Januar 2009 stirbt Hans Beck nach langer Krankheit in seiner Wahlheimat am Bodensee.

Ein Burgfräulein beim Business-Coaching. Mehr auf der nächsten Seite.

Managementtraining mit Zoodirektor & Burgfräulein

Managementtraining mit Zoodirektor und Burgfräulein
„Klickys” nennen Sammler die ersten Playmobil-Figuren, die in Serie gingen - der Name bezieht sich auf das Klickgeräusch beim Zusammenstecken der Figuren: Mit einem kräftigen Druck auf den Hinterkopf ‚klicken’ die Figurenteile fest ineinander. Höchstes Sammlerglück ist eine noch von Playmobil selbst ausgelieferte Originalverpackung mit allen Einzelteilen, im Fachjargon der Sammler NRFB genannt - „never removed from box”. Mit viel Glück findet sich ein solcher Schatz noch auf einem Flohmarkt oder in einem Internetauktionshaus.

Playmobil-Figuren vor der Zirndorfer Verwaltungszentrale des Unternehmens © Playmobil

Was vor vier Jahrzehnten als Kinderspielzeug begann, ist längst zum Kultobjekt auch der Erwachsenen und zum Kulturgut geworden. Zum 30. Geburtstag etwa zeigt das Historische Museum der Pfalz in Speyer 2003 die Schau „Playmobil - Entdecke die Welt”, Künstler setzen die Figuren in Gemälden, Installationen oder Fotografien fantasievoll in Szene, gesellschaftliche und politische Ereignisse werden in Ausstellungen liebevoll und detailgetreu nachgestellt. Und auch im Business-Coaching haben die liebenswürdigen Figuren längst Einzug gehalten - und verraten einiges über die Teilnehmer, die sich den Zoodirektor oder das Burgfräulein als Identifikationsfigur aussuchen. 

Kulturgut & Kinderspielzeug: links Ausstellungsplakat Sonderausstellung 2003 im Historischen Museum der Pfalz Speyer „30 Jahre Playmobil - Entdecke die Welt” © Historisches Museum der Pfalz Speyer

Was vor vier Jahrzehnten als Kinderspielzeug begann, ist längst zum Kultobjekt auch der Erwachsenen und zum Kulturgut geworden. Zum 30. Geburtstag etwa zeigt das Historische Museum der Pfalz in Speyer 2003 die Schau „Playmobil - Entdecke die Welt”, Künstler setzen die Figuren in Gemälden, Installationen oder Fotografien fantasievoll in Szene, gesellschaftliche und politische Ereignisse werden in Ausstellungen liebevoll und detailgetreu nachgestellt.

Fotografie mit Playmobil: Flamenco-tanzende Playmobil-Figur vor einem begeisterten Publikum, Künstler: S. Ochs, www.tilpuli.de, © S. Ochs

Die Wurzeln des Playmobil-Herstellers geobra Brandstätter gehen zurück in das Jahr 1876: In Fürth gründet Andreas Brandstätter, der Urgroßvater des heutigen Inhabers Horst Brandstätter, die gleichnamige Firme. Hergestellt werden Schatullenbeschläge und -schlösser. 1908 übernimmt sein Sohn Georg den Betrieb. Nach den Anfangssilben seines Namens prägt er den Firmennamen geobra.

Horst Brandstätter, der 1954 in die Firma eintritt, setzt auf das neue Material Kunststoff, aus dem verschiedene Produkte aus dem Spielzeug- und Freizeitbereich hergestellt werden.

1974 kommen die Playmobil-Figuren auf den Markt. Das Patent, das Horst Brandstätter 1972 vorsichtshalber auf die Figuren anmeldet, lässt in seinem nüchternem Amtsdeutsch kaum die Vorstellung der freundlichen Männchen aufkommen: „Spielzeugfigur mit nach unten offenem Körper”. Bauarbeiter, Ritter und Indianer sind die ersten Playmobil-Figuren, die auf den Markt kommen - sie vertreten die bis heute gültigen Spielbereiche lebensnahe und historische Spielwelt und fremde Kultur.

1976 kommen die ersten weiblichen Figuren hinzu, mit ausgestelltem Minikleid und halblangen Haaren deutlich zu erkennen, 1981 bekommen die „erwachsenen” Playmobil-Figuren endlich den sehnlichst gewünschten Nachwuchs: Die Kinderfiguren sind 2cm kleiner als ihre Eltern, haben aber dasselbe Handinnenmaß, damit sie alle Zubehörteile greifen können.

Der Playmobil-Klassiker Ritterburg lässt ab 1977 Kinderherzen höher schlagen, das Piratenschiff läuft 1978 vom Stapel. 1981 ist die Playmobil-Eisenbahn Produkt des Jahres.

Erzieher und Psychologen sind sich einig: Playmobil regt die Fantasie an, fördert die Feinmotorik und bietet eine unermessliche Fülle an Anregungen, die Umwelt zu erfahren. An der Wende zum dritten Jahrtausend sind die Playmobil-Figuren längst Kulturgut: Rund um den 30.Geburtstag zeigt etwa das Historische Museum der Pfalz in Speyer die Schau: „Playmobil - Entdecke die Welt”. 

Der Bekanntheitsgrad von Playmobil in der Bevölkerung erreicht heute nahezu 100 Prozent. 

Aktuelle Unternehmensinformationen im Internet unter www.playmobil.de

Lit.: Felicitas Bachmann: 30 Jahre Playmobil (2004), Heel-Verlag GmbH Königswinter

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